Gemeinsam mit der Indischen Partnerorganisationen "PRATYEK" wurde im Sept. 2012  in New Delhi mit dem Projekt „ART FOR CHANGE 2012“ begonnen.

 

Im Rahmen dieser Arbeit wurden mit Jugendlichen eines Slumviertels (Jagdamba Camp) und 32 Schülerinnen des Waiseninternats "St. Anthonys Boarding School" unter der künstlerischen Leitung von Hrn. Andreas Ceska über 2 Monate lang Theater- Pantomime- u. Circusworkshops durchgeführt. In Zusammenarbeit mit dem int. renommierten „ISHARA Puppet Theatre Trust“ wurde darüber hinaus ein Puppen- u. Schattentheaterworkshop mit den Jugendlichen realisiert.

Außerdem wurden MitarbeiterInnen der indischen Partnerorganisationen  (PädagogInnen, SozialarbeiterInnen, LehrerInnen) laufend eingeschult (Theater- Pantomime- Circuskünste).

 

Die Ergebnisse der intensiven Theaterarbeit mit den Jugendlichen aus den Slums mündeten in einer Theaterproduktion, die zunächst im Rahmen des „UNIVERSAL CHILDREN’S DAY“ in New Delhi (Constitution Club) vor ca. 2000 Leuten und hohen UN- Vertretern zur Aufführung kam und danach eine Aufführungsserie im „SRI AUROBINDO Centre for Arts and Communication“ vor freiem Publikum (ca. 1000 Besucher) erfuhr .

 

 

2013 konnten die Workshops mit neuen Gruppen von unterprivilegierten Kindern und Jugendlichen aus 2 Slumviertel in New Delhi fortgesetzt werden.

 

Eine Schule im Zentrum der Stadt („St. Columbas School“) stellte für die täglich stattfindende Workshoparbeit die notwendige Infrastruktur und Räumlichkeiten zur Verfügung.

 

Neben Schauspiel- u. Tanzunterricht, Pantomimeübungen waren das tägliche Training verschiedener Circuskünste (Einradfahren, Jonglieren, Diabolos, e.t.c.) mit den Jugendlichen Schwerpunkt des Workshops 2013.

 

Freiwillige Helfer- „Volunteers“- der indischen Partnerorganisationen wurden eingeschult, um nach Beendigung des Workshops den Kindern eine Möglichkeit zu geben, das Training mindestens 1x/Woche fortsetzen zu können.

 

 

2014-2017 wurde das Projekt intensiv fortgesetzt. Nach und Nach wurde im Laufe des täglichen Unterrichts, des Trainings und der Proben eine Gruppe von Jugenlichen aus den Slums zu KünstlerInnen ausgebildet  und Aufführungen erarbeitet, die im Zeichen der Kinder- und Menschenrechte stehen und auf die prekäre Situation dieser großen Bevölkerungsschicht von unterprivilegierten Jugendlichen aufmerksam machen soll. Laufend kamen neue Kinder aus den Slums hinzu.

 

Die mit den Heranwachsenden erarbeiteten Inszenierungen kamen zw. 2012-2017 im Rahmen vieler Veranstaltungen von Menschenrechtsorganisationen (UNESCO, World Vision, Red Ribbon India, Movement against Climate Change, e.t.c.) vor bisher ca. 60.000 Menschen zur Aufführung.

 

Im Sept. 2015 wurde eine Delegation der Jugendlichen von der UNICEF als Botschafter der Kinderrechte zur UN- Generalversammlung nach New York eingeladen.

 

Seit 2016-17 betreut das Projekt ca. 100 Kinder u. Jugendliche aus den Slums. 35 davon sind seit Beginn 2012 dabei und dieses  Team von jungen Menschen aus den Slums von New Delhi hat sich zu einer professionell auftretenden Truppe entwickelt, welche mit verschiedenen künstlerischen Programmen in Indien unterwegs ist, um über Kinderrechte, Bildung, Gesundheit, Geschlechtergleichheit und gegen Kinderehen zu sprechen.

 

 

Das Projekt "ART FOR CHANGE" wurde 2014 mit dem "Innovationspreis Int. Austausch" der IG- Kultur  ausgezeichnet und wurde  2016 mit dem "Intercultural Achievement Award- Category Sustainability" vom Österreichischen Außenministerium prämiert.

 

 

Die direkte Arbeit mit den Jugendlichen in Indien gestaltete sich überaus lustbetont, herausfordernd, suchend, lebendig, provozierend, spielerisch, fragend, staunend, humorvoll und ernsthaft zugleich.

Die Welt des Theaters schaffte sich in dieser intensiven, interkulturellen Begegnung ein eigenes Universum und spiegelte Konflikte, das Polarisierende, die immer wiederkehrenden Probleme des realen Lebens- in diesem Falle die brutale Armut und Chancenlosigkeit von Kindern und Jugendlichen in Slumvierteln New Delhis… aber auch deren Träume und Hoffnungen wurden reflektiert, deren unglaubliche Schönheit und Wert.

 

„Theater“ als ein befreiendes, positiv- lehrendes und über den Horizont hinausblickendes Medium- global und weltweit- eine Möglichkeit der Erkenntnis, des Begreifens...

Im Bildungswesen schafft dieses Phänomen „Theater“ unglaubliche Freiräume und Möglichkeiten dafür, Kräfte, Meinungen, Energien, Ängste, Emotionen und Ideen junger Menschen kreativ einzufangen, zu fokussieren und künstlerisch auszudrücken.

 

 

Warum dieses interkulturelle Projekt zwischen Indien und Österreich?

 

In Indien haben über 80 Millionen Kinder und Jugendliche keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, die jährlichen Staatsausgaben für das indische Bildungs- und Gesundheitssystem etwa sind geringer als in Bangladesh oder in Burma.

 

Trotzdem gilt Indien mit einer Population von 1, 2 Milliarden Menschen bei uns im Westen als wirtschaftliches Schwellenland. Aber nur ca. 5% der Bevölkerung profitieren davon.

 

Nach Schätzungen unabhängiger Organisationen sind von den 250 Millionen Fünf- bis Vierzehnjährigen in Indien rund 100 Millionen arbeitende Kinder, obwohl Kinderarbeit offiziell verboten ist.

 

 

Als Hauptursachen für die Verbreitung der Kinderarbeit werden Armut, Unterbeschäftigung, soziale Ausgrenzung und Unkenntnis genannt.

 

Schlepperbanden profitieren von diesen sozialen Missständen. Sowohl in den Städten als auch in ländlichen Gebieten kaufen sie vor allem Angehörigen der Dalits und Adivasis (Kastenlosen) ihre Kinder ab und verschleppen sie auf Plantagen, in Fabriken, Minen und Bordelle, wo viele von ihnen unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen (ich konnte das während meiner Arbeit 2011 in Meghalaya, Nordostindien, selbst sehr intensiv wahrnehmen- ca. 70.000 Kinder und Jugendliche arbeiten in diesem Bundesstaat in Kohleminen).

 

Die Verhältnisse, unter denen Kinder und Jugendliche in den Slumvierteln der indischen Großstädte aufwachsen, sind für Europäer kaum vorstellbar, deren Bildungsmöglichkeiten und Zukunftschancen gleich Null.

 

Das Projekt ART FOR CHANGE versucht, diesen Kids mittels der Darstellenden Künste eine Stimme, eine Sprache, Selbstwert und Bedeutung zu geben- mit einer nachhaltigen Botschaft, die an Öffentlichkeit, Medien, Politik und Gesellschaft gerichtet ist - stellvertretend für Millionen anderer Betroffener Jugendlicher in Indien.